Glattgeschliffen

„Ich habe mich gefreut, als du kamst: Endlich mal jemand, der nicht so glattgeschliffen ist wie die anderen“ sagte eine zu mir.

Aber wer nicht glattgeschliffen ist, hat raue Kanten.
Raue Kanten geben Anlass für Verletzungen und Zweifel.

„Es darf keine Zweifel geben“
heißt es aus der Gemeinde und im Dienstrecht.
Ich spüre: Da wirken Mächte, die glattschleifen.

„Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht,
wie einen Kieselstein“ (Jes 50,7)
hieß es gestern im Palmsonntagspredigttext.

Sein wie der Kieselstein.
Glattgeschliffen,
aber trotzdem schwerer als das Treibholz.
Unten im Fluss,
statt oben an der Piratenflagge,
trotzdem nicht mit jeder Welle mitgehen
– vielleicht wär das auch nicht schlecht, denn:

„Wenn diese schweigen werden,
so werden die Steine schreien.“ (Lk 19,40)

Advertisements

Hab ich mich schon eingelebt?

Am Sonntag war Judika. Vor einem Jahr wurde ich am Sonntag Judika ordiniert. „Haben Sie sich schon eingelebt?“ fragten viele Leute mich damals und manche fragen mich noch heute. Jetzt wird’s mal Zeit für eine ausführliche Antwort.

Wenn man das „Einleben“ auf einer Skala von 0 bis 10 (mit 10 als Äquivalent zum Eingeborenen, der sein Dorf am Obermain nie verlassen hat) abbildet, habe ich vielleicht 6 erreicht. Und da fühle ich mich sehr wohl.

Weiterlesen „Hab ich mich schon eingelebt?“

Leben im Schon und Nochnicht

Mitten im Schreiben doch auch mal endlich wieder hier. Viel ist passiert in den letzten Monaten und es kommt mir so ewig lang vor, dass wir Examen gemacht haben. Vor einem Jahr wussten wir noch nicht einmal wohin wir kommen. Und jetzt? Realität und Alltag im Beruf.

12 Tage bis zum Ende des Kirchenjahres. Gefühlt mehr Gottesdienste und Ansprachen als je zuvor in diesen paar intensiven Tagen. Aber nur, weil der Rest auch laufen muss. Verwaltung, Besprechungen, Schulunterricht, Konfirmandenarbeit, Seniorenkreis, Öffentlichkeitsarbeit. Vielfalt und immer noch vieles Unbekanntes. Ich hab noch nicht alles einmal durchgemacht und da finde ich, dass ich kaum von Routine reden kann. Bei vielem zumindest nicht. Ich bin aber heilfroh, dass ich schon so manches einfach richtig oft gemacht habe und daher die Zeit mich nicht unterkriegt und ich den Kopf über Wasser halten kann.

Es ist anders und doch so wie ich es erwartet habe. Es macht mir Spaß, mich immer wieder auf Neues einzustellen. Herausforderungen zu meistern oder auch zu lernen, dass es anders werden kann als ich gedacht habe. Das geht tatsächlich nur mit einem guten Team im Hintergrund. Und genau das habe ich: Ein WAHNSINNSTEAM!

Wenn mich also jemand fragen würde, was ich nach fast 9 Monaten auf meinem Weg im Pfarramt sagen kann: Du hast viel in die Hand bekommen und nicht jede Probedienststelle hat nur Macken. Trau dich was eigenes zu machen und nutze deine Talente. Aber das Allerwichtigste: Vergiss nie für dich zu sorgen und es auch mit einem Lachen zu tun!

Obacht, ich bin hier Pfarrer!

„Obacht, da kommt der Herr Pfarrer. Seid anständig!“ hieß es vor zwei Wochen, als ich in die Nähe eines Jugendfeuerwehrtreffens kam. Zwischendurch war ich eine Woche im Urlaub – an einem Ort, wo mich niemand als Pfarrer erkennt. Jetzt bin ich wieder zurück. Beim Einkaufen meldet sich mein inneres Predigerseminar: „Bedenken Sie, dass Sie in Ihrer Gemeinde sind. Hier werden Sie überall als Pfarrer wahrgenommen. Begegnen Sie diesen Rollenerwartungen mit Rollenkompetenz!“

Mein innerer Luther antwortet: „Scheiß drauf! Es gibt keinen geistlichen Unterschied zwischen Ordinierten und Gemeinde. Alle sind Sünder und Gerechte zugleich. Rollenkompetenz heißt für alle: Sündige tapfer und bekenne tapferer!“

Baustellen

Ich bin noch nicht einmal 48 Stunden lang Pfarrer und schon mit Baufragen beschäftigt: Kleinigkeiten im Pfarrhaus und Entwurf zur Neugestaltung des Pfarrhofs.

Im Predigerseminar wurde vor ein paar Wochen gesagt, dass solche Dinge nicht zum „Eigentlichen“ des Pfarrberufs gehören. Was wäre, wenn ich mich nur um das „Eigentliche“ und nicht um Gebäude kümmern wollte – müsste ich das dann wie Franz von Assisi unter freiem Himmel zu den Vögeln predigen?

Im Pfarrhaus

Endlich sind wir da. Seit Freitag wohnen wir in unserem neuen Zuhause: Im Pfarrhaus direkt hinter der evangelischen Kirche in Plattling. Meinen ersten Geburtstag hier vor Ort habe ich auch schon gefeiert. Ein bisschen zwischen Kartons, aber es war trotzdem toll.

So langsam Schritt für Schritt richten wir die Zimmer ein. Das Arbeitszimmer war fast mit als Erstes fertig, damit ich am Dienstag auch gleich durchstarten kann. Mich packt die Vorfreude und ich bin aufgeregt. Auf die Menschen, die Stadt, die anfallenden Dinge. Ich trete über eine neue Schwelle. Wie wird das wohl alles werden? Kribbeln im  Bauch und Gänsehaut. Mein Kindheitstraum wird jetzt wahr. Am 12.3.16 um 14 Uhr ist meine Ordination zur Pfarrerin hier in Plattling.

Zur Aufregung gesellt sich auch ein bisschen Angst. Vielleicht brauch ich die gar nicht. Aber wer weiß. Alles neu ist nicht immer nur toll, klar. Erwartungen der Menschen hier und meine eigenen. Passen die zusammen? Und wenn nicht: schaffen wir es dann Wege zueinander zu finden? Offen miteinander umgehen ist eines meiner Ziele. Klar und frei sagen können, was los ist. Fair bleiben. Mal sehen, aber ich glaube und hoffe, dass das machbar ist.

Jetzt heißt es erstmal genießen und sehen, was die Zeit bringt. Einen Spruch habe ich zugeschickt bekommen, der mich jetzt dabei begleitet. Ich finde, er passt sehr gut zu all den Gedanken, Gefühlen und Ereignissen jetzt und in der Zukunft.

Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein. (Zefania 3,17)

 

Pfarrerbild

Kommt das mit oder kann das weg? Beim Packen der Umzugskartons hatte ich viele Dinge in der Hand, auch meine alte Piratenflagge. Am liebsten würde ich bei meinem Einzug in Altenkunstadt so ankommen wie Captain Jack Sparrow, der im Film „Fluch der Karibik“ mit Zöpfen im Bart aus dem Mastkorb eines sinkenden Boots elegant auf den Steg im Hafen übersteigt. In Altenkunstadt gibt’s keinen Hafen, aber eine Mainbrücke … und die Zöpfe, die ich vorletzes Jahr bei der Konfirmation im Bart hatte, haben in meiner Vikariatsgemeinde anscheinend einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zumindest wurden sie jetzt im Abschiedsgottesdienst wieder erwähnt.

Weiterlesen „Pfarrerbild“