Leben im Schon und Nochnicht

Mitten im Schreiben doch auch mal endlich wieder hier. Viel ist passiert in den letzten Monaten und es kommt mir so ewig lang vor, dass wir Examen gemacht haben. Vor einem Jahr wussten wir noch nicht einmal wohin wir kommen. Und jetzt? Realität und Alltag im Beruf.

12 Tage bis zum Ende des Kirchenjahres. Gefühlt mehr Gottesdienste und Ansprachen als je zuvor in diesen paar intensiven Tagen. Aber nur, weil der Rest auch laufen muss. Verwaltung, Besprechungen, Schulunterricht, Konfirmandenarbeit, Seniorenkreis, Öffentlichkeitsarbeit. Vielfalt und immer noch vieles Unbekanntes. Ich hab noch nicht alles einmal durchgemacht und da finde ich, dass ich kaum von Routine reden kann. Bei vielem zumindest nicht. Ich bin aber heilfroh, dass ich schon so manches einfach richtig oft gemacht habe und daher die Zeit mich nicht unterkriegt und ich den Kopf über Wasser halten kann.

Es ist anders und doch so wie ich es erwartet habe. Es macht mir Spaß, mich immer wieder auf Neues einzustellen. Herausforderungen zu meistern oder auch zu lernen, dass es anders werden kann als ich gedacht habe. Das geht tatsächlich nur mit einem guten Team im Hintergrund. Und genau das habe ich: Ein WAHNSINNSTEAM!

Wenn mich also jemand fragen würde, was ich nach fast 9 Monaten auf meinem Weg im Pfarramt sagen kann: Du hast viel in die Hand bekommen und nicht jede Probedienststelle hat nur Macken. Trau dich was eigenes zu machen und nutze deine Talente. Aber das Allerwichtigste: Vergiss nie für dich zu sorgen und es auch mit einem Lachen zu tun!

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Obacht, ich bin hier Pfarrer!

„Obacht, da kommt der Herr Pfarrer. Seid anständig!“ hieß es vor zwei Wochen, als ich in die Nähe eines Jugendfeuerwehrtreffens kam. Zwischendurch war ich eine Woche im Urlaub – an einem Ort, wo mich niemand als Pfarrer erkennt. Jetzt bin ich wieder zurück. Beim Einkaufen meldet sich mein inneres Predigerseminar: „Bedenken Sie, dass Sie in Ihrer Gemeinde sind. Hier werden Sie überall als Pfarrer wahrgenommen. Begegnen Sie diesen Rollenerwartungen mit Rollenkompetenz!“

Mein innerer Luther antwortet: „Scheiß drauf! Es gibt keinen geistlichen Unterschied zwischen Ordinierten und Gemeinde. Alle sind Sünder und Gerechte zugleich. Rollenkompetenz heißt für alle: Sündige tapfer und bekenne tapferer!“