Perfekt? – Frohe Weihnachten!

„Das muss perfekt sein!“ sagtest du, liebe Kollegin,
zu mir über die Gestaltung der Christvesper.

Ja, klar. An Heiligabend kommen die Leute.
Da wollen wir zeigen, was wir können …
Nein, was der kann,
den wir perfekt verkündigen wollen.
Perfekt, damit jede*r sich berührt fühlt.
Perfektion ist wichtig im Gottesdienst,
professionell soll’s sein, sagt Pollack.

Die Leute machen daheim ja auch alles perfekt
für’s Fest.
Der Baum wird geputzt,
die Wohnung auch.
Und der hässliche Streit
bleibt bis zum 2. Feiertag
hoffentlich hinter dem Sofa versteckt.
Wenn dann auch das Essen schmeckt,
ist alles perfekt.

Wenn daheim schon alles perfekt ist,
was sollen die Leute dann
bei uns in der Kirche noch finden?

Vielleicht den,
der perfekt war
und Perfektion aufgab
um Mensch zu werden.

Vielleicht uns,
die wir perfekt sein wollen
und mit Gottes Hilfe
manchmal doch Menschen bleiben.

Wir tragen unter dem schwarzen Talar
die gescheiterten Menschseinsversuche
des vergangenen Jahres,
nicht die helle Erscheinung der Engel.
Wie können wir sagen
„Fürchtet euch nicht!
Siehe ich verkündige euch große Freude!“?

Wenn wir nicht perfekt erscheinen
verunsichern wir doch die Leute.

Aber über denen, die da wandeln
im finstern Gewande,
über denen, die da wohnen
im finstern Lande,
scheint es hell.

Und das Licht kommt nicht von uns.
Frohe Weihnachten!

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