Zuhause?

„Wohnst du schon im Pfarrhaus?“ hat mich eine junge Mitarbeiterin gerade gefragt. „Nein, ich wohne gerade nirgendwo“ habe ich geantwortet. Ich schlaf nur heute Nacht im leeren Pfarrhaus in Altenkunstadt – auf der Isomatte. Mein Bett steht noch in Uffenheim.

In den letzten Tagen war ich im Predigerseminar in Nürnberg. Morgen früh kommen meine Eltern mit einigen Sachen, die in Hof zwischengelagert waren, nach Altenkunstadt. Dann fahren wir nach Uffenheim, übermorgen mit einem Transporter voll Kisten und Möbeln wieder nach Altenkunstadt und dann fahr ich wieder nach Uffenheim, um dort weitere Kisten zu packen und Möbel für den zweiten Transport in zwei Wochen abzubauen. Meine Frau wohnt währenddessen in Neuendettelsau, wo sie ihre Examensarbeit schreibt. In Uffenheim bin ich in den nächsten Wochen allein zwischen Kisten und Möbelteilen.

Der Umzug, Abschiedsrituale und neue Kontakte überlagern sich: Im Predigerseminar haben wir das gemeinsame Lernen gestern abend mit einem bewegenden Abschlussgottesdienst beendet. In Altenkunstadt saß ich heute mit jungen Ehrenamtlichen zusammen, die einen Jugendtreff (TGIF – Thank God, it’s Friday) ins Leben gerufen haben. Übermorgen verabschiede ich mich im MitarbeiterJahresGottesdienst von der Gemeinde in Uffenheim. Alles auf einmal. Und wo bin ich? Komme ich zwischendurch mal kurz irgendwo an oder bin ich nur unterwegs?

Ich setze mich ins Pfarrbüro, da steht ein CD-Player. Ich hole mir eine CD von addi m. aus meinem Auto und höre „Home“:

Crossroads, every day.
New land, all along my way.
Faces, I don’t know.
Voices keep asking „friend or foe?“ (…)

And I have no home. (…)
But I remember every night when I was out,
Mom and Dad would leave a light on.
So maybe home’s just where they leave a light on for you.

Will I find a home in heaven?
Home is where a light’s left on.
Lord, leave a light on there in heaven!

„Zuhause“ ist für mich zur Zeit unbestimmt und in dieser Welt sowieso nie letztgültig bestimmbar. Aber im Pfarrhaus in Altenkunstadt habe ich schon letzte Woche Licht gesehen, als ich an einem Abend da war, um den Kirchenvorstand kennenzulernen. Das Licht hat mir das Gefühl vermittelt, dass da nicht nur ein leeres Haus steht, sondern ein Platz, an dem ich gut ankommen kann. Und dieses Gefühl wächst gerade bei jeder Begegnung mit MitarbeiterInnen, die sich hier um Vieles kümmern. 🙂

Advertisements

Ein Gedanke zu “Zuhause?

  1. Dirk.Wollenweber

    zu
    „Und wo bin ich? Komme ich zwischendurch mal kurz irgendwo an oder bin ich nur unterwegs?“

    Hallo Christian,
    auf diesen Weg hast Du Dich am Anfang des Studiums bewusst eingelassen. Du bist auf der Reise zu neuen spannenden Aufgaben, zu neuen wichtigen zwischenmenschlichen Kontakten in Deiner neuen Gemeinde. Das ist eine große Aufgabe, aber der Umzug ist nur ein kurzer physisch realer Weg. Die Reise zu Deinen Gemeindemitgliedern wird die spannende Herausforderung sein. Alle werden gespannt sein auf den neuen Pfarrer.
    Da wünsche ich Dir, dass alle sich mit offene Herzen und Händen begegnen, damit Du diese Menschen mit Deinem Auftrag erreichen kannst. Ich wünsche Dir auch Gelassenheit, Zufriedenheit, die Zuversicht und die Erkenntnis, dass Du Deinen Weg richtig gewählt hast und Dein Tun richtig einsetzt.
    Liebe Grüße
    D. Wollenweber

    PS.
    Grüße an Karolin

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.