Kisten packen

Ich habe den lang erwarteten Anruf bekommen: Ich weiß jetzt, wo ich im März Pfarrer werden soll. Und meine Frau weiß jetzt auch, wo wir wohnen sollen. Da gibt’s Einiges, das uns gefällt – das kann ich hier aber noch nicht beschreiben, weil ich noch keine Details zum Ort veröffentlichen darf. Und es gibt eine Sache, die für uns schwierig wird:

Der Weg zum nächsten Bahnhof ist weit. Meine Frau macht demnächst ihr erstes theologisches Examen. Im Juli und September 2016 hat sie Prüfungen, vorher muss sie lernen. Lernen kann sie überall, aber manchmal wär’s ganz praktisch, wenn sie zu einer theologischen Bibliothek fahren könnte, um Literatur zu besorgen. Wir haben (bisher) nur ein Auto und das brauch ich im Zweifelsfall im Dienst. Ein Ort, wo der nächste Bahnhof näher liegt, wäre praktischer gewesen. Aber wir schaffen das auch so.
„Wir hoffen, dass Ihre Frau ihr Studium trotzdem beenden kann“ wurde mir bei dem Anruf von höherer Stelle gesagt. Vielen Dank, solche Sätze haben mir in den letzten Wochen manchmal gefehlt. Dieser Satz stärkt in mir die Hoffnung, dass die uns senden, doch nicht (mehr) erwarten, dass die Pfarrfrau ohne eigene Berufsperspektive im Pfarrhaus sitzt. In den letzten Wochen hab ich daran gezweifelt, dass das Pfarrfamilienbild schon überall aus dem 19. Jahrhundert herausgekommen ist. Jetzt sag ich: Keine Sorge, meine Frau wird ihr Studium beenden. Das kriegen wir schon hin.

Außerdem verstehe ich auch, dass ich die Stelle, wo ein Bahnhof näher gewesen wäre, nicht bekomme, wenn KollegInnen da besser hinpassen. Ich bin gespannt, wie’s den anderen mit ihren Stellenzuweisungen geht. Inzwischen habe ich von Problemen gehört, die deutlich größer sind als meine Entfernung zum Bahnhof. Werden alle KollegInnen ihre Stellen trotzdem annehmen? Bis nächsten Montag können wir ablehnen. Wer ablehnt, bekommt (zum 1.3.16) keine Stelle. Und wenn jemand ablehnt, müssen die anderen vielleicht umverteilt werden, damit auf jeden Fall die Stellen besetzt werden, die den Kirchenkreisen am wichtigsten sind. Deshalb müssen wir eine Woche lang über Details schweigen. Da könnte sich noch etwas ändern.

Wird sich bei mir noch etwas ändern? Werde ich verschoben, wenn jemand eine Stelle ablehnt und eine Lücke entsteht? Die Zeit der Unsicherheit und des Wartens ist noch nicht ganz vorbei. Das Gefühl, wie ein Wagon auf einem Verschiebebahnhof verschoben zu werden, find ich viel unangenehmer als die Schwierigkeiten, mit denen ich leben kann, wenn ich weiß, dass meine Stelle weit vom nächsten Bahnhof entfernt ist. Aber wenn in den nächsten Tagen höchstens Personen und nicht wieder Termine verschoben werden, ist die Unsicherheit in einer Woche vorbei. Wir packen schon mal die ersten Umzugskisten. Und bald schreib ich hier, worauf ich mich bei meiner neuen Stelle freue. 🙂

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Ein Gedanke zu “Kisten packen

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