Zwischen den Stühlen

Ich habe den Moment, der das Examen beendet, wirklich lange herbeigesehnt. Schon davor waren die Vorstellungen beflügelnd, wie toll es sein könnte, endlich ohne diesen Druck und Anspruch an mich selbst zu arbeiten. Ich gebe zu, alles was nach dem Examen anstand war zur Seite geschoben. Volle Konzentration auf die Prüfungen. Kaum ein Gedanke an die Stellenvergabe, das Abbrechen der Zelte, den Umzug, den Neustart.

Früher oder später kommt es aber ja dann doch auf einen zu. Was wird jetzt passieren? Warten. Tage zählen bis zur Bekanntgabe der Liste möglicher Stellen. Eigene Wünsche. Aber eben nicht nur die eigenen. Ich bin ja nicht allein. Mein Mann ist auch noch da. Seine Teilzeitstelle hier in Passau bei der Diakonie macht ihm Spaß. Kurz nach meinem Examen die Nachricht: Ab 1.11.2015 hat er noch eine weitere Teilzeitstelle. Neue Aufgaben locken ihn. Er hat lange auf so eine Stelle gewartet und ist hoch motiviert.

Mich beschäftigt das Thema jetzt auf einmal noch mehr. Ich möchte ihm ermöglichen, seinen Beruf auszuüben und sich selbst zu verwirklichen. Kann ich es verantworten, ihn da wieder rauszureißen, wenn auf der Liste keine Stelle in der Nähe ist? Klar haben wir darüber gesprochen und uns abgestimmt. Trotzdem beruhigt es mich nicht, stimmt mich nur ein wenig zuversichtlich. Mich packt eher die Angst, dass so etwas dann vielleicht mal zwischen uns stehen könnte. Natürlich wussten wir, auf was wir uns einlassen, wenn ich diesen Beruf ergreife. Zumindest formal. In der Situation selbst zu stecken ist dann wieder was ganz anderes. Wenn ich es halt irgendwie mitgestalten könnte. Manchmal habe ich das Gefühl, ich gebe alles aus der Hand. Das ist so beunruhigend. Wer mag das auch schon, die Kontrolle abzugeben?!

Aber es hilft irgendwie alles nichts. Es ist wie es ist. Genau aus dieser Einstellung heraus macht sich in mir neben der Angst dann doch die Zuversicht breit. Hoffnung und der Glaube daran, dass egal was kommt, es gut werden kann. Ich hab mein Möglichstes getan und meine Situation dargelegt, wo es nötig war. Das was jetzt kommt, kann und wird etwas werden, das auch schön sein kann. Für meinen Mann und mich. Daran halte ich jetzt mehr fest als an der Angst, denn die engt mich mehr ein und lässt mich meine Freiheit vom Examen gar nicht mehr genießen. Das ist mir mehr wert.

Ein Gedanke zu “Zwischen den Stühlen

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