Verschärfte Präsenzpflicht

Freie Tage sind im Pfarrberuf nicht 100% frei. Auch an freien Tagen gilt Präsenzpflicht. PfarrerInnen müssen bei Abwesenheit für eine Vertretung sorgen. Bei VikarInnen läuft’s etwas einfacher: Ich sage meiner Mentorin kurz Bescheid, wenn ich länger als 4 Stunden weg bin1. Daran hab ich mich längst gewöhnt, das ist kein Problem. Aber jetzt kommt eine Kleinigkeit dazu.

Von November bis Januar vertrete2 ich eine Pfarrerin aus unserer Gemeinde, die drei Monate Elternzeit nimmt. Ich hab ja jetzt nach dem Examen ein bisschen Zeit für Zusatzaufgaben. Da bin ich nicht nur im Sprengel meiner Mentorin tätig. Was mach ich, wenn ich an einem dienstfreien Tag im November eine Freundin in Heidelberg besuchen will?

Ich habe heute unseren Dekan gefragt, ob ich ihn jetzt auch informieren soll, wenn ich mal weg bin3. Ja, das soll ich machen – wie ein „richtiger“ Pfarrer. OK, wenn ich mal weg will oder weg muss (auch aus dienstlichen Gründen, z.B. wenn ich mit den KollegInnen aus meinem PS-Kurs zum Landesbischof eingeladen bin), informiere ich ab sofort nicht nur meine Mentorin, sondern auch die Sekretärin im Dekanat. Und die schreibt’s auf. Keine große Sache. Und doch irgendwie anders als bisher.

Ich hab das Gefühl, dass ich ein bisschen mehr Freiheit abgebe und dafür jetzt schon ein bisschen mehr Pfarrer werde. Dienstrechtlich bleibe ich bis 29.2.2016 Vikar, aber im Team mit Dekan und Mentorin merk ich ein bisschen mehr Verantwortung. Mindestens eine(r) von uns sollte immer in der Gemeinde sein – es könnte ja sein, dass jemand uns dringend braucht.
Und wenn ab 1.3.2016 in einer neuen Gemeinde für mich alles neu wird, ist die Pfarrerspräsenzpflicht nicht mehr so neu. :)


  1. Exakte Regelungen zur Erreichbarkeit von VikarInnen gibt’s nicht. Die 4-Stunden-Grenze hat meine Mentorin festgelegt. Von KollegInnen weiß ich, dass es MentorInnen gibt, die auch dann nicht informiert werden wollen, wenn ihre VikarInnen über Nacht weg sind (obwohl sie laut PS spätestens dann informiert werden müssten). 
  2. Erklärung für Kirchenjuristen und alle anderen, die’s genau nehmen: Ich darf natürlich als Vikar keine Pfarrerin vertreten. Mit „vertreten“ meine ich: Ich entlaste meine Mentorin (wie vom PS für die Zeit nach dem Examen vorgesehen), indem ich Geburtstagsbesuche und Kasualien der Kollegin übernehme, die sonst meine Mentorin übernehmen müsste. 
  3. Nicht nur, weil er als Dekan für die „Befreiung vom Dienst am Ort“ bei richtigen Pfarrern zuständig ist, sondern auch weil er in unserer Gemeinde Inhaber der ersten Pfarrstelle ist und die Pfarrer untereinander wissen sollten, wer da ist und wer nicht.